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IT-Modernisierungsprojekte scheitern selten an der Technologie – sondern daran, dass niemand das Altsystem versteht, bevor die Umsetzung beginnt. KI kann heute Hunderttausende Zeilen Code in Tagen analysieren und in Systemwissen übersetzen. Daniel Freitag, CTO der Nortal AG, beschreibt, wie ein strukturierter 6-Schritte-Ansatz die Modernisierung von Legacy-Systemen vorhersagbar und kontrollierbar macht – von der ersten Analyse bis zur produktionsreifen Lösung.
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Wer lange genug in der IT arbeitet, kennt das Muster: Ein Projekt, das ein Legacy-System – also ein Altsystem – modernisieren soll, startet mit einer Menge Energie und Budget. Es gibt Workshops, Architektur-Slides, eine ambitionierte Roadmap. Und dann, irgendwann im zweiten oder dritten Quartal, kippt es. Der Scope wächst. Die Schätzungen stimmen nicht mehr. Das Team stellt fest, dass das Altsystem Dinge tut, die niemand auf dem Schirm hatte.
Das ist kein Zufall und kein Projektmanagement-Versagen. Es ist ein strukturelles Problem. Die meisten solcher Modernisierungsprojekte scheitern nicht an der Technologie und nicht an mangelndem Willen. Sie scheitern daran, dass niemand das Altsystem vollständig verstanden hat, bevor die Umsetzung beginnt.
Und das ist nachvollziehbar. Ein System, das seit 15 oder 20 Jahren gewachsen ist, enthält Tausende von undokumentierten Abhängigkeiten, Geschäftsregeln und Sonderfälle, die nur auffallen, wenn man diese Geschäftsregeln bricht. Kein einzelner Mensch kann diese Komplexität im Kopf behalten. Also arbeitet man mit Annahmen. Und Annahmen sind eine schlechte Basis für ein Millionenprojekt…
Die meisten IT-Entscheider*innen haben in den letzten Jahren einen Business Case für die Modernisierung von Altsytemen durchgerechnet. In der Regel kam dabei raus: zu teuer, zu riskant, zu unsicher. Also bleibt das System bestehen. Es ist zwar teuer im Betrieb, aber wenigstens berechenbar.
Diese Rechnung hatte zwei Schwachstellen:
Die tatsächlichen Kosten des Altsystems sind fast immer höher als das, was in der Budgetplanung steht. Denn sie lassen etwa die Einarbeitung neuer Mitarbeiter*innen, Workarounds in angrenzenden Systemen, fehlende Schnittstellen und Sicherheitsrisiken durch veraltete Frameworks unberücksichtigt. Diese Kosten verstecken sich in Betriebsbudgets, nicht in Investitionsanträgen.
Die geschätzten Modernisierungskosten waren zu hoch, weil der Aufwand, den es für das Verstehen des Altsystems braucht, falsch eingeschätzt wurde. Genauer gesagt: Dieser Aufwand wurde gar nicht separat geschätzt, sondern verschwand irgendwo im Projektbudget. Und genau hier hat sich etwas verändert.
Denn Künstliche Intelligenz kann heute Hunderttausende Zeilen Code lesen, analysieren und in strukturiertes Wissen übersetzen. Nicht als grobe Zusammenfassung, sondern als vollständige Dokumentation: Geschäftsregeln, Datenmodelle, Abhängigkeiten, Integrationsschnittstellen. Was früher Monate dauerte, ist jetzt in Tagen möglich. Damit sinkt der größte Unsicherheitsfaktor in jedem Modernisierungs-Business-Case: die fehlende Transparenz des Legacy-Systems.
Entgegen vieler anderer Modernisierungsansätze, die nur den Delivery-Prozess beschreiben und erst dann greifen, wenn die Entscheidung zur Modernisierung bereits gefallen ist, haben wir bei Nortal ein Modell entwickelt, das auch die Fragen beantwortet, die vorher geklärt werden müssen: Was genau tut das Altsystem? Lohnt sich die Modernisierung überhaupt? Und wenn ja: Welcher Weg ist der richtige?
Unser Modell beschreibt den ganzen Weg von der ersten Analyse bis zur produktionsreifen Lösung und besteht aus sechs Schritten, die aufeinander aufbauen sowie aus einer Reihe von Prinzipien, die über alle Schritte hinweg gelten. Die ersten drei Schritte beschreiben den Weg hin zur Entscheidung, welche Art der Modernisierung am besten passt. Die letzten drei Schritte zeigen den Weg zur Umsetzung auf und sichern das Ergebnis ab.
Abbildung: Das vollständige AI-First Modernisierungsmodell mit Nortals Delivery-Phasen
Bevor irgendetwas entschieden wird, muss klar sein, was das Altsystem tut. Nicht ungefähr, nicht auf Basis von Erinnerungen des Teams, sondern vollständig. „AI Legacy Archaeology“, ein KI-gestützter Prozess, der verborgenes Wissen zugänglich macht, analysiert den gesamten Code eines Systems: Geschäftsregeln, Datenstrukturen, Abhängigkeiten zwischen Modulen, technische Schulden. Dabei arbeitet die Analyse strikt nicht-invasiv. Am laufenden System wird nichts verändert. Deterministische Code-Analyse-Tools liefern die Faktenbasis. KI interpretiert und strukturiert die Ergebnisse. Menschliche Expert*innen validieren an definierten Prüfpunkten.
Das Ergebnis ist keine PowerPoint-Zusammenfassung, sondern eine strukturierte, referenzierbare Dokumentation. In wenigen Tagen entsteht ein Bild, für das traditionelle Methoden Monate gebraucht hätten.
In einem unserer Projekte wusste das Projekt-Team danach mehr über sein eigenes System als die Leute, die es seit Jahren betreut hatten. Nicht weil sie unqualifziert waren, sondern weil kein einzelner Mensch Hunderttausende Zeilen Code im Kopf behalten kann.
Systemverständnis allein erzeugt noch keinen Wert. Es muss bewertet werden: Lohnt sich eine Modernisierung? Und wenn ja, wo fängt man an?
Ein strukturiertes Assessment betrachtet vier Dimensionen.
Der Unterschied zu herkömmlichen Assessments liegt darin, dass die Bewertung auf dem vollständigen Systemwissen aus Schritt 1 basiert, nicht auf Schätzungen und Interviews. Das macht sie belastbar.
Erst wenn Schritt 1 und 2 sauber gelaufen sind, kann fundiert entschieden werden. Und zwar pro System, nicht pauschal.
Die Optionen sind vielfältig: Neuentwicklung, Teilablösung, Migration auf eine Low-Code-Plattform oder die bewusste Entscheidung, ein System weiterzubetreiben. Jede dieser Optionen kann die richtige sein. Aber die Entscheidung muss auf Fakten basieren, nicht auf Annahmen oder der Frage, welche Plattform gerade im Trend liegt.
Die Frage „Kann man das System nicht einfach mit Low-Code neu bauen?“ kommt in fast jedem Gespräch über Legacy-Modernisierung vor. Und sie ist nicht falsch. Für neue Anwendungen mit überschaubarer Logik sind Low-Code-Plattformen oft die richtige Wahl. Ein Kundenportal, ein Freigabe-Workflow, vielleicht ein internes Formular.
Aber Altsysteme, die seit 15 oder 20 Jahren gewachsen sind, bestehen nicht aus überschaubarer Logik. Sie bestehen aus Tausenden über Jahre in Code gegossenen Geschäftsregeln, Sonderfällen und Abhängigkeiten zwischen Modulen, die niemand dokumentiert hat.
Das Problem ist nicht die Plattform. Das Problem ist, dass die Plattformfrage häufig zu früh gestellt wird. Bevor klar ist, was im Altsystem steckt, ist jede Plattformentscheidung ein Schuss ins Blaue. Low-Code kann die richtige Antwort sein. Aber es ist die Antwort auf die dritte Frage, nicht auf die erste.
Wenn die Richtung steht, braucht es eine präzise Spezifikation des Zielsystems. Zielarchitektur, Schnittstellen-Design, Teststrategie, Migrationspfad. Das klingt nach klassischem Vorgehen, und das ist es auch. Mit einem entscheidenden Unterschied: Die Spezifikation basiert auf dem Wissen aus Schritt 1, nicht auf lückenhaften Anforderungsdokumenten.
Diese Phase ist der eigentliche Engpass in jedem Modernisierungsprojekt. Sie dauert nicht besonders lang, aber sie erfordert Entscheidungen, die man nicht automatisieren kann und sollte. Architekturentscheidungen, Technologiewahl, fachliche Validierung: All das bleibt die Aufgabe von Menschen. KI unterstützt, indem sie Optionen aufzeigt und die Konsistenz prüft, aber die Verantwortung liegt beim Team.
Eine gute Spezifikation macht die folgende Umsetzung vorhersagbar. Eine vage Spezifikation hingegen produziert Code, der technisch funktioniert, aber fachlich daneben liegt.
Die Umsetzung verläuft fundamental anders als in klassischen Projekten. Statt eines einzelnen Entwicklungsteams arbeiten spezialisierte KI-Agenten parallel. Ein Agent ist fürs Backend zuständig, ein anderer fürs Frontend. Einer schreibt Tests, ein weiterer Agent prüft die Architekturkonsistenz. Alle nutzen dieselbe Spezifikation als Grundlage. Ein menschliches Team orchestriert, setzt die Leitplanken und gibt frei.
Das ist kein „Vibe Coding“, bei dem jemand einem KI-Modell einen vagen Prompt gibt und hofft, dass etwas Brauchbares rauskommt. Es ist eine spezifikationsgetriebene Entwicklung mit orchestrierten Agenten. Der Unterschied ist nicht das Werkzeug, sondern die Methodik.
Das Ergebnis sind Implementierungszyklen, die sich von mehreren Wochen auf wenige Tage komprimieren. Die Qualität bleibt dabei gleich oder steigt sogar, weil Parallelisierung und automatisierte Konsistenzprüfungen Dinge abfangen, die im manuellen Prozess oft durchrutschen.
Der letzte Schritt, das Absichern der neuen Lösung, ist mindestens so wichtig wie die Umsetzung selbst. KI generiert eine umfassende Testabdeckung, während Menschen sich auf die fachliche Validierung und die risikobasierte Abnahme konzentrieren. Code Reviews prüfen den generierten Code gegen die Spezifikation. Und Governance-Prozesse stellen sicher, dass nichts in Produktion geht, was nicht validiert wurde.
Dazu gehört die Koexistenz-Strategie: Das alte und das neue System laufen parallel und die Ablösung passiert schrittweise – kein Big Bang, sondern kontrollierte Transition. Das Altsystem wird nicht abgeschaltet, bis das neue System unter realen Bedingungen funktioniert.
KI beschleunigt Analyse und Umsetzung, aber Architekturentscheidungen, fachliche Freigaben und Risikobewertungen bleiben beim Menschen. In jedem Schritt. Ohne Ausnahme.
Die Methodik funktioniert mit verschiedenen KI-Modellen. LLMs entwickeln sich weiter und können gewechselt werden. Was bleibt, sind die Spezifikationen, das gewonnene Systemwissen und die Architekturentscheidungen.
Alles, was in der Analyse und Spezifikation entsteht, gehört dem Kunden: Dokumentation, Geschäftsregeln, Architekturentscheidungen. Wenn jemand nach dem Assessment entscheidet, mit einem anderen Partner weiterzumachen, steht ihm das frei. Das Wissen bleibt.
Sicherheit ist kein nachträglicher Prüfschritt. Die Analyse des Altsystems deckt Sicherheitslücken auf. Die Spezifikation baut Security-Anforderungen von Anfang an ein. Die Koexistenz-Phase wird explizit auf neue Angriffsflächen geprüft.
Architekturentscheidungen basieren auf offenen Standards, wo immer möglich. Wechselkosten werden bewusst minimiert – bei Plattformen, Tooling und Technologiepartnern.
Spezifikationen und Dokumentation liegen in offenen, interoperablen Formaten vor. Kein proprietäres Wissen, keine geschlossenen Toolchains.
Koexistenz ist kein Kompromiss, sondern Teil der Strategie. Altes und neues System laufen parallel. Die Ablösung passiert kontrolliert, Modul für Modul. Rückfalloptionen bleiben erhalten.
Kein Team muss alles auf einmal modernisieren. Wir von Nortal fangen gemeinsam mit Ihnen mit einem Discovery-Workshop an, in dem wir ein oder zwei Ihrer Legacy-Systeme mit unserem „AI Legacy Archaeology“-Ansatz analysieren. Dann steht die Basis für erste Entscheidungen.
Der Discovery-Workshop liefert Schritt 1 und den Start von Schritt 2 unseres Modells. Er ist noch kein Commitment für ein Großprojekt, sondern eine erste Investition in Klarheit. Und die zahlt sich aus, egal ob Sie danach modernisieren, das System nur teilweise ablösen oder bewusst entscheiden, ein System weiterzubetreiben. Entscheidend ist, dass Ihr Team das Altsystem vollständig versteht, bevor es eine Entscheidung trifft.
Bereits vor dem gemeinsamen Projekt mit Nortal nutzte Rapunzel Naturkost Software von Atlassian fürs Projekt- und Aufgabenmanagement. Doch es stand eine Weiterentwicklung an: Die bestehende Atlassian-Infrastruktur sollte in die Atlassian Cloud überführt werden, um Vorteile wie moderne Kollaboration, automatische Updates und bessere Skalierbarkeit zu nutzen.
Gleichzeitig sollten neue Tools fürs Wissensmanagement und das IAM (Identity and Access Management) eingeführt werden, um digitale Prozesse zu standardisieren, zu automatisieren und transparent zu machen. Kurz gesagt: Das Unternehmen wollte sichergehen, dass es das volle Atlassian-Potenzial ausschöpft und somit die Grundlage für eine digitale Arbeitsweise zu schaffen.
Nortals Atlassian-Expert*innen nahmen sich der Herausforderung an und strukturierten das Projekt in klare Phasen. Dabei setzten sie bewährte Methoden zur erfolgreichen Umsetzung ein. Im ersten Schritt analysierte Nortal den Ist-Zustand, bevor das Team sich an die Migration von Apps und Tests machte. Anschließend lieferte Nortal die gewünschte Tool-Erweiterung um Atlassian Guard und Confluence. Auch ein Innovationsworkshop sowie die fortlaufende Qualitätssicherung standen, beziehungsweise stehen auf der Roadmap.
In umfassenden Assessments hat Nortal den Ist‑Zustand der Atlassian‑Instanz erhoben und eine maßgeschneiderte Roadmap für die Migration erarbeitet – inklusive Risikobetrachtung, Ressourcenplanung und Timeline.
Bestimmte Marketplace‑Apps waren für die Cloud nicht verfügbar oder unterschiedlich funktionsfähig. Nortal prüfte
und entwickelte passende Alternativen oder Workarounds, um alle zentralen Anforderungen abzudecken. Zum Beispiel wurden ScriptRunner und die Dynamic Forms App, die es in der Cloud so nicht mehr gibt, durch native Cloud-Features neu gedacht und zukunftsfähig abgebildet.
Die Nortal-Expert*innen migrierten Konfigurationen und Daten und implementierten die Workarounds, es folgten Test- bzw. Pilotmigrationen. und in Test‑ bzw. Pilotmigrationen geprüft. Nach der erfolgreichen Validierung stand die Produktivmigration in die Cloud‑Umgebung an.
Mit Atlassian Guard etablierte Nortal ein ein zentrales Identity‑ und Access‑Management– für sichere Zugänge, Rollen und Berechtigungen. Parallel führte das Team Confluence als zentrales Wissensmanagement‑Tool ein. Rapunzel nutzt das Tool fürs Onboarding neuer Mitarbeiter*innen, zur Ideensammlung und zur Dokumentation von Prozessen.
In Workshops entwickelten Rapunzel und Nortal gemeinsam Lösungen für spezifische Herausforderungen – zum Beispiel eine auf Jira und Confluence basierende Lösung für Verpackungsprozesse. Die Prüfung von Verpackungen und Etiketten – etwa hinsichtlich gesetzlicher Anforderungen wie Allergie- und Entsorgungshinweisen – ist für Rapunzel dadurch effizienter und transparenter. Zudem wurde evaluiert, inwieweit sich „Assets for Jira“, ein integriertes Tool fürs Asset- und Konfigurationsmanagement, für die CMDB (Configuration Management Database) eignet.
Der gesamte Prozess wurde detailliert dokumentiert – inklusive Tests, Problemlösungen (z. B. E-Mail-Versand, Berechtigungsfragen) und Best Practice Konfigurationen.
Daniel Freitag ist CTO von Nortal Deutschland und leitet AI-first Modernisierungsprojekte im DACH-Raum.
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